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«Änet äm Rhy» – Turnfahrt der Männerriege 2021

Beste Verhältnisse, neue Strecken, viel Historisches und brachiale Naturgewalt … was will man noch mehr! Die Anreise nach Stein am Rhein ist sehr kurzweilig. Bis Winterthur mit dem modernsten SBB Schnellzug in rasanter Fahrt, danach gemütlich im Thurbo (Thurgau-Bodensee) durch das Zürcher Weinland, an Ortschaften vorbei, welche man wirklich kaum kennt, wie z.B. Welsikon oder Waltalingen mit einem prächtigen Schloss und später durch das Stammheimertal mit Hopfenanbau und den bekannten Weinrebenanlagen. Um halb zehn erreichen wir bereits unseren Ausgangsort Stein am Rhein. Der kurze Spaziergang führt uns vom Bahnhof hinunter über die Rheinbrücke, wo rechts davon der Untersee mit Bäumen, Büschen und vielen Vögeln liegt und links von der Brücke das Wasser vom Rhein wieder so richtig Fahrt aufnimmt. Nur wenige Schritte später befindet man sich auf den Rathausplatz, welcher mit buntbemalten Häuser eine farbige Kulisse gibt. Jedes Haus erzählt eine andere Geschichte und wer schon einmal dem Freilichtspiel «No ä Wili» beiwohnen konnte, erlebt, wie ein ganzes Städtchen enthusiastisch mitmacht und jeder seine Rolle hat. Manchmal verblüffend ähnlich wie im richtigen Leben.

Friedliche Stimmung auf dem Samstag-Markt in Stein am Rhein (SH)

Soeben beginnt auf dem Rathausplatz der Wochenmarkt. Einige sind bereits eingerichtet, andere stellen noch die Tische auf. Und überall wird freundlich in Schaffhauser Dialekt diskutiert. Ja, Stein am Rhein bildet zusammen mit Schaffhausen, Ramsen, Hemishofen seit rund 220 Jahren den Kanton Schaffhausen. Zuvor gehörte die Stadt einmal den Zürchern, dann wieder den Schaffhausern.

Nach der Kaffeepause und den brandschwarzen Croissants aus der Pizzeria (Pizza haben die vielleicht im Griff, aber definitiv nicht Gipfeli … 😊) starten wir mit der Wanderetappe entlang dem Rhein Richtung Schaffhausen, und zwar auf der deutschen Seite. Ehrlich gesagt lag ja über 50% des Wanderweges auf Schweizer Boden, aber es war eben trotzdem «Ämet äm Rhy». Kurz nach Hemishofen , Richtung Bibermühle stossen wir auf Herr Holzer vom Verein «Heimatvereinigung», der den Gedenkstein «Lecourbe» auf Hochglanz poliert und in das digitale Zeitalter hinüberrettet, in dem er die Gedenk-Platte mit einem QR Code erweitert, damit auch die Digitaleren unter uns die Informationen abrufen können. Wir brauchen aber keinen Internetzugang, denn Herr Holzer erzählt uns den Grund des Gedenksteines: Am 1. Mai 1800 setzte ein Teil der französischen Armee mit 35’000 Mann, 2’000 Pferden und x Kanonen an dieser Stelle über den Rhein und dies mitten in der Nacht. Bis um 9 Uhr morgen war die Aktion abgeschlossen. Die Habsburger beobachteten die Übersetzung vom Berg hinter Hemishofen aus und beschlossen auf Grund der «schieren Übermacht» nordwärts zu fliehen. Den Franzosen war es recht, sie bedienten sich grosszügig in Hemishofen.

Wer die Karte von Ramsen einmal genauer studiert, entdeckt in Ramsen den Ortsteil Moskau und einige hundert Meter südlich Petersburg. Woher stammen die Namen? Herr Holzer kennt natürlich die Lösung: Moskau kommt vom Standort des russischen Heereslager um 1800 herum, Petersburg kommt von einem reichen Einwohner namens Peter, welcher sich ein grosses Steinhaus bauen liess. Eben eine Burg, deshalb Peter’s Burg oder Petersburg.

Grenzübertritt, ohne Corona-Zertifikat vorzuweisen

Wir machen auch einen zeitlichen Ausflug um 12 Millionen Jahre zurück. Nördlich von unserem aktuellen Standpunkt sehen wir die Kegelberge Hohenstoffeln, Hohenhewen oder Hohenkrähen. Sie entstanden während der Faltung des Juras in der Gegend von Hegau, westlich von Singen. Obwohl es ultraspannend ist und wir noch lange zuhören können, müssen wir uns wieder auf den Weg machen.

Weiter geht es Richtung Bibermühle, ein wunderschönes, schlossartiges Gehöft im spät-mittelalterlichen Riegelbaustil direkt am Rhein, dann hinauf zum Gaissbärg, wo mitten im Wald die Landesgrenze verläuft. Nach der Kontrolle des COVID Zertifikat durch den Leiter dürfen alle den Übertritt nach Deutschland machen und weiter Richtung Gailingen marschieren. Bis wir im Hotel Rheingold eintreffen, sind wir mindestens 50 Minuten überfällig. Erschöpft lassen wir uns auf der Sonnenterrasse in die Stühle fallen. Die letzten drei Kilometer haben es in sich gehabt.

Wienerschnitzel mit Kartoffel-Gurkensalat und so richtig viel zum Trinken lassen die Strapazen aber schnell vergessen. Mit einem kurzen Eilmarsch zur Schiffstation in Diessenhofen sind wir wieder im Zeitplan. (Originalton René: Warum müssen wir an der Turnfahrt immer so hetzen?).

Die Rheinschifffahrt ist sehr erholsam: das ruhig dahinfliessende Wasser, die grünen Wälder und Matten, die springenden Fische (Artur hat ihn entdeckt) und die plantschenden Sonnenanbeter im Rhein runden das Bild ab.

Auf des Munots altem Turme schau hinaus ich in die Nacht… (Munot Lied) … wir haben nicht so lange gewartet um auf die Besteigung anzustossen 🙂

In Schaffhausen teilt sich die Gruppe auf. Während die kleinere Gruppe durch die Unterstadt Richtung Bahnhof schlendert, erobert die zweite Gruppe den Munot, feiert den Sieg bei schottischer Dudelsackmusik mit einem Glas Weisswein, stiegt wieder hinunter in die Unterstadt, stimmen zwei oder drei Lieder im beeindruckend grossen Münster an und spazieren zum «Schwobetor» (Lappi mach d’Augä uf!) 30 Sekunden vor der Zugsabfahrt erreichen wir dann auch das Perron.

Die Haltestelle Neuhausen-Rheinfall liegt ideal für einen Abstecher zum grössten Naturereignis in dieser Gegend. Bequem mit zwei Lifts geht’s runter zum Wasserfall-Becken. Beeindruckt bestaunen wir die tosenden Wassermassen, welche sich über diese Geländestufen herunterstürzen. Heute ist es besonders eindrucksvoll, weil der Rhein immer noch sehr viel Wasser führt. Zum Abschluss steigen wir die Treppen entlang des Rheinfalls hoch, überqueren den Rhein via SBB Brücke und spazieren hinauf zum Schloss Laufen am Rheinfall.

Haben unser Ziel erreicht! Der Rheinfall bei Neuhausen (SH)

Mit dem Zug geht es via Andelfingen zurück nach Winterthur und mit einem direkten Zug nach Zug. Also Zug um Zug. Es ist ein cooler Ausflug mit vielen schönen Erlebnisse und Entdeckungen… und am Schluss zeigt unser «fitbit» über 29’000 Schritte und 21 km Distanz an. Ganz ordentlich für so einen gemütlichen Tag 😉.

Thomas Hauser